Margate – Seebad zwischen Tudor und Moderne
Margate Main Sands

Margate – Seebad zwischen Tudor und Moderne

Margate

Margate wurde um das Jahr 1254 und dem Namen Meregate gegründet. Der Name änderte sich bis heute mehrere Male. Im 15. Jahrhundert gehörte Margate zu den Cinque Ports als Außenposten von Dover. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde Margate zu einem der führenden Seebäder in England.

Die für englische Seebäder typische Seebrücke wurde leider 1978 durch einen Sturm zerstört.

Margate ist mit über 60.000 Einwohnern die größte Stad der Isle of Thanet.

Main Sands - Der Strand

Wie die gesamte Region ist auch für Margate der Tourismus die Haupteinnahmequelle. Seit einigen Jahren, ist der Tourismus in Margate allerdings rückläufig und leider muss man sagen, dass man dies der Stadt ansieht. Aber dazu später mehr.

Als wir Margate besuchten, hatten wir nur eine Stippvisite im Sinn. Wir wollten uns den Strand anschauen, etwas trinken und dann weiter nach Whitstable ein paar Austern essen. So schnell ist man dann mit Margate aber doch nicht fertig.

Das „besondere“ am Margate „Main Sands“ ist, dass er auf gleicher Höhe wie die Stadt ist. Man muss also nicht wie sonst üblich zum Strand „absteigen“. Das touristische Zentrum von Margate ist zweifelsfrei um den Strand herum aufgebaut. Direkt vor dem Strand findet man den Margate Clock Tower, den Harbour Arm und das Turner Contemporary.

Badespaß für jedermann am Hauptstrand von Margate
Clock Tower am Strand von Margate
Margate Harbour Arm

Das Turner Contemporary ist ein 2011 eröffnetes Kunstmuseum, dessen Name sich auf den englischen Maler J.M.W. Turner bezieht, der in Margate zur Schule gegangen ist und sein Leben lang mit der Stadt verbunden war. Wie bei vielen staatlichen Museen in England, ist auch hier der Eintritt frei.

Sehr zu empfehlen, ist die dem Strand direkt gegenüberliegende Altstadt. Sie ist voll Leben und mit schönen, teilweise skurrilen Cafés, Pubs und Shops gespickt.

What else?

Nachdem wir uns Strand und Harbour Arm angeschaut hatten, beschlossen wir wie geplant etwas zu trinken, Whitstable zu verschieben und uns noch etwas genauer in Margate umzuschauen. Weil es ein wunderschöner Tag war, hatten wir keine Lust uns das Turner Contemporary anzuschauen, sondern wollten lieber an der frischen Luft bleiben.

Margate Pier and Harbour Comapany
Statue im Wasser
Blick vom Harbour Arm aufs Meer, der schwarze Fleck im Mittelpunkt ist überigens die Statue eines Mannes der aufs Meer schaut

Wir suchten uns einen freien Platz vor dem „Café G“ das direkt am Anfang der Altstadt liegt. Dort kamen wir mit einigen netten Einheimischen ins Gespräch, die uns sagten das man auf jeden Fall die Shell Grotto gesehen haben muss. Also beschlossen wir diesem Ratschlag zu folgen und machten uns auf den Weg.

Blick auf die Altstadt von Margate

Tourismus – Fluch und Segen

Der Weg vom Café G zur Shell Grotto war teilweise ein Kulturschock und zeigte uns zum ersten Mal, wie abhängig auch das Stadtbild vom Tourismus ist.

Am Main Sands und in der Altstadt ist alles schick renoviert und sauber, eine richtig kleine Wohlfühloase. Wir gingen also bester Laune los, die Market Street entlang auf die Lombard Street und bummelten dabei an vielen schönen Shops vorbei.

Altstadt von Margate
Altstadt Margate

Dann erreichten wir die B2055 und folgten ihr ein paar Meter nach links. Da war der unterschied schon spürbar. Aber hey, die B2055 ist halt eine Hauptverkehrsstraße, da ist man halt mitten im 21. Jahrhundert. Wir überquerten die Hauptstr. und bogen rechts in die King Street ein. Zack, wieder Flair. Nach ein paar Metern standen wir vor dem Margate Tudor House.

Tudor House aus dem 16. Jahrhundert

Es ist das älteste erhaltene Haus in Margate und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Es sieht ein bisschen aus wie aus der Zeit gerissen aus, wie es da mitten in den typisch englischen Reihenhäusern steht. Aber wenn man sich auf den Anblick einlässt, bekommt man einen guten Eindruck davon, wie es hier einmal ausgesehen haben muss. Man kann das Haus auch von innen besichtigen, allerdings nur Samstags, Sonntags und Mittwochs. Wir waren leider an einem Montag dort.

Also ging es weiter die King Str. entlang, bis diese in die Dane Road mündet. Vom Gefühl her war es so, als wäre man gerade noch über den Time Square flaniert und würde mir nichts, dir nichts plötzlich mitten in der Bronx stehen. Und zwar der Bronx der 70ger Jahre. Herunter gekommene Reihenhäuser, Müllbeutel auf der Straße, linker Hand eine Industriebrache. Unwillkürlich beschleunigten wir unsere Schritte, in der Hoffnung diesem Anblick schnell zu entgehen. Diese Ecke von Margate macht einem deutlich, was passiert, wenn die Touristen wegbleiben und kein Geld mehr da ist, um die Gegenden abseits der Touristen Attraktionen vernünftig zu erhalten. Sicher ist das etwas was mehr oder weniger in jeder Stadt passiert. Der Stadtkern toll, die Außenbezirke so lala, aber hier hat es mich besonders beeindruckt, da wir über eine Strecke von 250 Metern Luftlinie sprechen.

Shell Grotto

Über die Entdeckung der Muschel Grotte gibt es viele Geschichten. Die bekannteste ist wohl, dass Mr. James Newlove im Jahre 1835 seinen kleinen Sohn Joshua in ein Loch im Boden herabließ, dass er beim Graben eines Ententeichs fand. Joshua beschrieb Tunnel, die mit Muscheln bedeckt waren. Er hatte die Muschelgrotte entdeckt, deren Wände mit seltsamen Symbolen verziert waren, die in Millionen von Muscheln mosaikiert waren. Ist es ein alter heidnischer Tempel? Ein Treffpunkt für einen geheimen Kult? Niemand kann erklären, wer diesen erstaunlichen Ort gebaut hat oder warum, aber seit seiner zufälligen Entdeckung sind Besucher aus aller Welt von dem wunderschönen Mosaik und dem ungelösten Geheimnis fasziniert.

In Wahrheit kann die Entdeckung der Grotte Ententeiche, Schaufeln und kleine Jungen betreffen oder auch nicht. Es wurden verschiedene Geschichten erzählt, und mit fast 180 Jahren Übertreibung, Verschönerung und bloßer Täuschung scheint es kaum eine Chance zu geben, den Klatsch aus der Realität zu entfernen. Wie auch immer er darauf stieß, James Newlove konnte das kommerzielle Potenzial seines Funds klar erkennen. Die Grotte öffnete 1838 ihre Türen für die Öffentlichkeit und überraschte die Bevölkerung von Margate. Sie war noch nie auf einer Karte markiert worden, und in der Stadt gab es keine Geschichten über ihren Bau.

Heute befindet sich die Grotte unter einem kleinen Laden, in dem man Muscheln oder kleine Kunstwerke aus selbigen kaufen kann. Die Grotte selbst ist inspirierend, sehr schön aber auch recht klein. Einen Rundgang schafft man in 5 Minuten, wenn man sich nicht für die Mosaike interessiert. Wer aber die Stimmung in sich aufnimmt und die Mosaike bewundern will, kann sich problemlos auch eine Stunde und länger in Ihr aufhalten.

Wenn man in Margate ist, ist die Shell Grotto ein echtes „Must have“.

Shell Grotto Margate
Die Mosaike der Shell Grotto
Die Wände und Decken der Grotte sind komplett mit Muscheln bedeckt
Muschelaltar Shell Grotto Margate
Margate Shell Grotto

Dreamland Margate

Wie es sich für ein Seebad gehört, hat natürlich auch Margate einen Vergnügungspark in Strandnähe. Das Dreamland. Obwohl es in den letzten Jahren ordentlich renoviert wurde, hat es doch immer noch den Charme der 70ger Jahre. Wir haben ihn uns nur von außen angesehen, da uns der Eintrittspreis von 20 Pfund pro Person etwas abgeschreckt hat. Man muss allerdings fairer weise sagen, dass es günstigere Varianten gibt, dafür lohnt sich ein Besuch der Homepage von Dreamland.

Von der Ausstattung des Parks her würde ich sagen, dass man ihn durchaus mit einer guten Maikirmes bei uns vergleichen kann. Kleinere Kinder werden dort auf alle Fälle auf ihre Kosten kommen.

Margate Main Sands mit Riesenrad
Blick vom Harbour Arm auf den Strand. Das Riesenrad links gehört zum Dreamland Fun Park

Fazit

Wenn man in der Gegend ist, Zeit hat und Seebäder mag, sollte man sich Margate nicht entgehen lassen. Wenn man allerdings ein bisschen „in a hurry“ ist, gibt es meiner Meinung nach schönere Städtchen und Sehenswürdigkeiten in der Umgebung.

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